Das Leben in „Stufen“

sunrise

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

Hermann Hesse liest selbst, hier zum Anhören:

Ein Klassiker der Literatur. Ein Gedicht, das selbst mich – Literaturbanausin wie ich bin – in meiner Jugend sehr berührt hat. Jetzt viele Jahre später ist es wieder in meinen Gehirnzellen aufgetaucht. Jetzt, da es um die Frage geht – wie mache ich weiter? Jetzt, da ich mich intensiv meiner Vergangenheit und der daraus folgenden Frage „Wer bin ich?“ stelle. Nicht nur, dass ich feststelle, dass es tieferliegende Gründe gegeben haben muss, dass ich in jungen Jahren auf dieses Gedicht so reflektiert habe. Sondern auch, dass es Muster in meinem Leben gibt, die den Neu-Anfang in immer wiederkehrenden Perioden anstoßen.

Ein Vierteljahrhundert später (nach meiner literarischen-Intuitions-Entdeckung) verstehe ich, dass die Spirale aus Anfang – Sättigung und Ende mich immer weiter gebracht hat. Dorthin, wer ich bin. Und dass es keine lineare Linie gibt auf der wir uns entwickeln. Kann es durch die Einflüsse von außen schon gar nicht geben. Kann es aber auch durch unsere Anlage, unsere Fähigkeiten, Interessen und Wünsche nicht geben. Alles ändert sich. Auch unsere Identität, damit unsere Wünsche und Ziele.
Die Frage „wer bin ich?“ kann punktuell niemals absolut beantwortet werden. Im Grunde wissen wir erst ganz am Ende, wer wir waren. Denn dann gibt es keine zukünftige Entwicklung mehr.

Ich finde es interessant, dass es Parallelen zwischen unserer Lebensreise und dem neuen Unternehmertum, dem Entrepreneurship gibt.
Eine Entrepreneurin findet ein Problem, das sie lösen will und begibt sich auf die Reise ins Ungewisse. Nur durch den Start, den Anfang, das Setzen des ersten Schrittes, das Entwickeln eines Konzeptes, eines Prototypen und das andauernde Testen und Einholen des Feedbacks potentieller KundInnen ist es möglich Erfahrungen zu sammeln und das Produkt zu entwickeln. Aus eiem Produkt wird nicht automatisch ein Unternehmen. Also muss sich die Entrepreneurin selbst ständig weiterentwickeln, um die Finanzierung zu sichern, um MitarbeiterInnen und Partnerschaften zu finden, um die mit Sicherheit eintretende Agonie und Unsicherheit zu überstehen. Letztendlich weiß sie erst am Ende, meistens Monate und Jahre später, ob ihr unternehmerisches Spiel ein solides Geschäft geworden ist.

Genauso ist es mit unserem Lebensweg. Ich kann auch mit 35, 45 oder 52 nicht wissen, wie es weitergeht. Ich kann meine Werte und Wünsche an das Leben sammeln und in Erfahrung bringen. Ich kann mich auf meine Gefühle besinnen und meine Denk- und Handlungsweisen verändern. Das erfordert Zeit und Konzentration und vor allem eines: das Übernehmen der Verantwortung für das eigene Leben. Glücklicherweise gibt es viele Menschen, die diese Unsicherheit, den Zweifel kennen. Und es gibt Angebote wie unseren „Mach, was Du bist“ online Kurs, die bei der Lebenszielsetzung unterstützen. Es gibt auch viel Literatur zu dem Thema. Doch dazu mehr, in einem anderen Beitrag.

Teilen:Share on Facebook6Pin on Pinterest0Tweet about this on TwitterShare on LinkedIn0Share on Google+0Buffer this pageEmail this to someone

Getagged unter:

Kommentar verfassen

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.